Speisekarte
Speisekarte gestalten und kalkulieren: Schritt für Schritt
Redaktion tischlein · Aktualisiert am 14. Oktober 2026
Die Antwort in Kürze
Eine gute Speisekarte ist kurz, klar gegliedert und rechnet sich bei jedem Gericht. Plane je Kategorie nur wenige Gerichte, gliedere nach dem Ablauf eines Essens und kalkuliere jedes Gericht aus seinen echten Zutatenkosten. Teile den Wareneinsatz durch deine Zielquote, dann kennst du den Nettopreis.
Erst die Karte planen, dann gestalten
Die meisten Karten scheitern nicht am Layout, sondern daran, dass zu viel draufsteht. Jedes Gericht braucht Zutaten, Lagerplatz, Vorbereitung und einen Koch, der es unter Druck sauber ausführt. Je mehr Gerichte, desto mehr Reste, desto längere Wartezeiten und desto mehr Fehler am Pass.
Als Faustwert funktionieren fünf bis sieben Gerichte je Kategorie. Ein Restaurant mit Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts kommt so auf 15 bis 25 Gerichte. Das reicht für Auswahl und lässt sich trotzdem frisch kochen. Cafés und Bars fahren mit weniger gut, ein Frühstücksangebot mit zehn Positionen ist schon großzügig.
Bevor du ein Layout anfasst, schreibst du die Karte als nackte Liste auf: Gericht, Zutaten, Portionsgröße. Streich alles, was nur ein einziges Mal vorkommt und eine eigene Zutat braucht. Jede Zutat soll in mindestens zwei Gerichten stecken, sonst liegt sie am Ende im Müll.
Aufbau: So führst du den Blick des Gastes
Gäste lesen eine Karte nicht von oben nach unten, sondern scannen sie. Sie bleiben an Überschriften, Hervorhebungen und den ersten Zeilen eines Blocks hängen. Nutze das, statt dagegen anzuarbeiten.
- Gliedere nach dem Ablauf eines Essens: Vorspeisen, Hauptgerichte, Beilagen, Desserts. Bei kleinen Karten helfen Gruppen wie „Salate“, „Pasta“, „Vom Grill“.
- Setze Bestseller und Gerichte mit guter Spanne an Stellen, an denen der Blick zuerst landet: oben in einer Spalte, am Ende einer Kategorie oder in einem dezenten Kasten.
- Halte Beschreibungen kurz: Hauptzutat, Zubereitung, Beilage, in einer bis zwei Zeilen. „Rosa gebratene Entenbrust, Rotkohl, Kartoffelknödel“ sagt mehr als drei Adjektive.
- Nutze eine Schrift, die auch bei gedämpftem Licht lesbar ist, und mindestens 10 bis 11 Punkt im Druck. Ein heller Hintergrund mit dunkler Schrift schlägt fast jede Spielerei.
- Bilder sparsam: ein oder zwei Fotos wirken, zwanzig lassen die Karte wie eine Imbisstafel aussehen.
Gestalten kannst du in Word, Canva oder einem Layoutprogramm. Entscheidend ist, dass du die Karte später schnell ändern kannst, ohne das Layout zu zerlegen. Pflege Preise und Gerichte lieber an einer Stelle, als mehrere Dateien parallel zu führen.
Preispsychologie: Was wirklich wirkt
Preise sind keine reine Rechenaufgabe. Wie du sie zeigst, verändert, was Gäste bestellen. Die folgenden Muster sind in der Praxis erprobt, aber kein Zaubertrick: Teste sie bei dir und schau auf deine Verkaufszahlen.
| Technik | So setzt du sie um | Wirkung |
|---|---|---|
| Euro-Zeichen weglassen | 14,50 statt 14,50 € | Der Preis wirkt weniger wie eine Ausgabe |
| Preise nicht in eine Spalte setzen | Preis direkt hinter die Beschreibung | Gäste vergleichen weniger nach dem Preis |
| Ankergericht | Ein teures Gericht an prominenter Stelle | Die Gerichte darunter wirken günstiger |
| Gerichte hervorheben | Kasten oder Hinweis auf die Spezialität | Lenkt Bestellungen auf Gerichte mit guter Spanne |
| Krumme Preise | 12,90 statt 13,00 | Wirkt kalkuliert; ob es zu deinem Haus passt, entscheidest du |
Wichtiger als jeder Kniff ist Ehrlichkeit. Gäste bemerken, wenn Beschreibung und Teller nicht zusammenpassen. Verspricht die Karte „hausgemachte“ Sauce, muss sie hausgemacht sein.
Kalkulation je Gericht: So rechnest du
Ohne Kalkulation weißt du nicht, ob ein Gericht Geld verdient. Du brauchst dafür die Kosten aller Zutaten einer Portion, den Wareneinsatz. Rechne mit Nettopreisen, also ohne Mehrwertsteuer, sonst verfälschst du das Ergebnis.
Das Beispiel zeigt ein Schnitzel mit Pommes und Salat:
- Liste alle Zutaten der Portion mit Menge und Einkaufspreis je Kilo oder Stück auf: Schnitzel 180 g, Panade, Öl, Pommes 200 g, Salat, Dressing, Zitrone.
- Rechne jede Zutat auf die Portion um. Kostet das Fleisch 9,00 € je Kilo, sind 180 g gleich 1,62 €. So gehst du für alle Zutaten vor.
- Addiere die Zutaten. Im Beispiel kommen 3,80 € Wareneinsatz heraus, inklusive einer kleinen Reserve für Schwund und Abschnitt.
- Lege deine Zielquote fest. Viele Betriebe peilen für Speisen 25 bis 35 Prozent Wareneinsatz an, je nach Konzept. Nimm hier 30 Prozent.
- Teile den Wareneinsatz durch die Quote: 3,80 € geteilt durch 0,30 ergibt 12,67 € netto. Der Gast zahlt dazu die Mehrwertsteuer, den Satz klärst du mit deinem Steuerberater.
- Runde auf einen Preis, der zu deiner Karte passt, hier 12,90 € netto, und prüfe, ob der Markt ihn trägt.
Die alte Faustregel „Wareneinsatz mal drei“ führt zu etwa 33 Prozent Wareneinsatz. Sie ist ein erster Anhaltspunkt, aber keine Kalkulation: Sie ignoriert Personal, Miete und Schwund. Eine Zahl, die du kennen solltest, ist der Rohertrag je Gericht, also Nettopreis minus Wareneinsatz. Er zeigt dir, welches Gericht wirklich Geld ins Haus bringt, auch wenn seine Quote hoch ist.
Wenn die Rechnung nicht aufgeht
Liegt ein Gericht deutlich über deiner Zielquote, hast du vier Hebel. Du kannst den Preis anheben, die Portion verkleinern, die Zutat günstiger einkaufen oder das Rezept ändern. Beliebte Gerichte mit hoher Quote darfst du behalten, wenn andere sie ausgleichen. Wichtig ist der Durchschnitt über die ganze Karte, gewichtet nach dem, was Gäste wirklich bestellen.
Prüfe die Kalkulation neu, sobald sich Einkaufspreise spürbar ändern, mindestens aber zweimal im Jahr. Eine Karte, die vor zwei Jahren gerechnet wurde, trägt oft nicht mehr. Wie du den Wareneinsatz im Alltag drückst, steht im Ratgeber zum Wareneinsatz.
Allergene und Zusatzstoffe praktisch kennzeichnen
Für lose Ware gilt in der Gastronomie: Gäste müssen erfahren können, welche der 14 kennzeichnungspflichtigen Allergene in einem Gericht stecken. Das gilt für Gluten, Milch, Eier, Nüsse, Sellerie, Senf, Sesam, Fisch, Krebstiere, Weichtiere, Soja, Lupine, Erdnüsse und Sulfite. Zusatzstoffe wie Farbstoffe oder Konservierungsmittel sind getrennt zu kennzeichnen. Welche Form im Einzelfall zulässig ist, regelt die Lebensmittelinformationsverordnung. Frag bei Unklarheiten dein Lebensmittelüberwachungsamt, die IHK oder den DEHOGA.
Praktisch bewährt hat sich Folgendes:
- Erfasse für jedes Gericht die Zutaten laut Etikett deiner Lieferanten, nicht aus dem Kopf. Ein Fertigfond oder eine Sauce enthält oft Allergene, die du nicht erwartest.
- Ordne jedem Gericht die Allergene als Kürzel zu, etwa Buchstaben oder Zahlen, und erkläre die Kürzel in einer Legende auf der Karte.
- Aktualisiere die Zuordnung, sobald du Rezept oder Lieferant wechselst. Das ist der Moment, in dem die meisten Fehler entstehen.
- Schule dein Team, damit der Service Fragen sicher beantwortet, und halte die Unterlagen im Betrieb bereit.
Eine Tabelle mit allen Gerichten und ihren Allergenen spart im Alltag viel Rückfragerei. Eine Vorlage findest du bei den Allergene-Vorlagen.
Karte pflegen: Saison, Tageskarte, Kontrolle
Eine Karte ist nie fertig. Wechsle saisonale Gerichte mindestens vierteljährlich und halte eine feste Kernkarte stabil. Eine kleine Tageskarte fängt Tagesangebote vom Markt und Reste auf, ohne die Hauptkarte zu belasten.
Schau zum Quartal in deine Verkaufszahlen. Gerichte, die seit Monaten kaum bestellt werden, fliegen raus oder bekommen eine neue Rolle. Gerichte, die ständig ausverkauft sind, brauchen einen höheren Preis oder mehr Einkauf. So wird aus der Karte ein Werkzeug, das Umsatz und Spanne steuert.
Karte, Allergene und Kalkulation an einer Stelle
In tischlein pflegst du Gerichte, Preise, Allergene und Zusatzstoffe einmal und nutzt sie überall: auf der digitalen Speisekarte, als PDF zum Drucken, als Tageskarte aus der App und über Tisch-QR-Codes. Ändert sich ein Preis oder ein Allergen, stimmt die Karte an allen Stellen.
Mit dem Einkauf kalkulierst du Wareneinsatz und Deckungsbeitrag je Gericht, direkt an deiner Karte. Im Chat schreibst du, was sich ändern soll, zum Beispiel „Schnitzel auf 13,90 €“. tischlein zeigt dir erst die Vorschau, veröffentlicht wird nach deinem Okay.
Häufige Fragen
Wie kann ich kostenlos eine Speisekarte gestalten?
Mit einer Vorlage in Word oder in einem Gratis-Designprogramm wie Canva. Wähle eine ruhige Schrift, gliedere nach Vorspeise, Hauptgang und Dessert und halte die Karte kurz. Pflege Preise und Allergene an einer Stelle, damit Änderungen schnell gehen.
Wie kalkuliert man Preise in der Gastronomie?
Addiere die Zutatenkosten einer Portion zum Wareneinsatz und teile ihn durch deine Zielquote. Bei 3,80 € Wareneinsatz und 30 Prozent Zielquote ergibt das 12,67 € netto. Danach kommt die Mehrwertsteuer dazu, die dein Steuerberater für deinen Fall bestätigt.
Welche Faustregel gilt in der Gastronomie für die Kalkulation?
Häufig genannt wird „Wareneinsatz mal drei“, also rund 33 Prozent Wareneinsatz. Das ist ein Startwert, keine Kalkulation. Besser rechnest du jedes Gericht einzeln und prüfst den Durchschnitt über die ganze Karte.
Welche Allergene muss ich auf der Speisekarte kennzeichnen?
Die 14 kennzeichnungspflichtigen Allergene: Gluten, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Sulfite, Lupine und Weichtiere. Wie du sie angeben darfst, regelt die Lebensmittelinformationsverordnung. Frag im Zweifel Lebensmittelüberwachung, IHK oder DEHOGA.
Wie viele Gerichte sollte eine Speisekarte haben?
Fünf bis sieben je Kategorie sind ein guter Richtwert. Insgesamt reichen 15 bis 25 Gerichte für ein Restaurant. Je kürzer die Karte, desto frischer die Ware und desto weniger Reste.
Weiterlesen
- Kalkulation Gastronomie → Wareneinsatz und Verkaufspreis je Gericht rechnen.
- Allergene-Tabelle → Vorlage für alle Gerichte und ihre Allergene.
- Wareneinsatz senken: 7 Hebel für Restaurant und Café →
- Getränkekarte erstellen: Aufbau, Kalkulation, Aufschläge →
- Lexikon: Wareneinsatz →
- Lexikon: À-la-carte →
- Lexikon: Food Cost →